Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

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King Kong 2006
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Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon King Kong 2006 » So 11. Feb 2018, 23:04

Mir sind auf Youtube Videos aufgefallen, in denen das Thema Konzentrationslager in Polen während des Zweiten Weltkrieges thematisiert werden. Computeranimiert ( http://www.germandeathcamps.org ). Darin die Aussage, das Polen wie Juden gleichermassen unter den Deutschen zu leiden hatten. Auslöser ist die Kontroverse in Polen über die Bezeichnung dieser mit den Zusatz Polnisch bzw. Deutsch. Es soll unter Strafe gestellt werden Polen in irgendeinerweise damit in Zusammenhang zu bringen. Staatsrechtlich u.a. damit argumentiert, daß es ein Polen damals auch gar nicht gab. Israel hat schwer dagegen protestiert. Auch die USA sehen dem besorgt entgegen.

Die Kanzlei von Premierminister Mateusz Morawiecki veröffentlichte auf Twitter einen englischsprachigen Werbespot über den Holocaust und die Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland. In dem Tweet heißt es: „Juden und Polen haben gemeinsam gelitten. Wir haben viel getan, um Juden zu retten. Als Staat. Als Bürger. Als Freunde. Heute stehen wir immer noch auf der Seite der Wahrheit.“ Versehen war der Tweet mit dem Hashtag #GermanDeathCamps (deutsche Todeslager).


Das Gesetz sieht bis zu drei Jahre Haft vor

Das Gesetz sieht Geldstrafen oder bis zu drei Jahre Haft vor, wenn jemand „öffentlich und entgegen den Fakten“ dem polnischen Volk oder Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für von Nazi-Deutschland begangene Verbrechen zuschreibt. Kritiker befürchten, das Gesetz könnte missbraucht werden, um Polens Verantwortung bei Verbrechen an Juden zu leugnen.

Politiker der nationalkonservativen polnischen Regierungspartei PiS urteilen hingegen, das Gesetz sei notwendig, um Polens guten Ruf in der Welt zu schützen. In Polen ist die Vorstellung weit verbreitet, dass Deutschland die Geschichte verfälschen und die Schuld für den Holocaust auf Polen abwälzen wolle.

https://www.merkur.de/politik/umstritte ... 00501.html


Ist das so? Es werden auch kritische Stimmen laut, daß es kein Zufall wäre, daß solche Lager gerade in Polen aufgebaut und betrieben wurden. Natürlich gab es auch Progrome im Baltikum. Gerade in Litauen. Hätte man solche Lager auch in Holland oder Dänemark oder Jugoslawien aufbauen können? Hatte es antisemtische Gründe in Polen, die dies ermöglicht haben, oder eher rechtliche, immerhin gab es ja kein Polen mehr. Wie konnte sich deshalb auch ein Polen darüber beschweren.

Israelischer Historiker

"Polen hat eine lange Antisemitismus-Tradition"

Polen hat eine lange Tradition mit virulentem Antisemitismus, die Wurzeln liegen weit vor dem deutschen Einmarsch 1939. Mentor dieses Antisemitismus war vor allem die katholische Kirche, die über die Juden als angebliche "Christusmörder" predigte. Diese Mentalität sickerte tief in den polnischen Nationalismus ein. Die Deutschen wussten schon, warum sie während der Besatzungszeit gerade Polen mit einem riesigen KZ- und Gettosystem überzogen haben. Denn die Nazis kalkulierten, dass sie auf eine stillschweigende Akzeptanz für die Ausgrenzung und Tötung der Juden bei umfangreichen Bevölkerungskreisen rechnen konnten.

http://www.spiegel.de/einestages/holoca ... 91125.html


Ein weiteres Thema daraus ist:

Das neue polnische "Holocaust-Gesetz" ist höchst umstritten. Robbi Waks, Historiker in Tel Aviv, befürchtet eine Verfälschung der Geschichte. Judenhass hatte seine Eltern kurz nach dem Krieg aus Polen flüchten lassen.


Was ist Geschichte? Wer schreibt sie, wer interpretiert sie? Das, was in polnischen Lehrbüchern steht, zum Thema, ist offenbar etwas anderes als das, was in Israel dazu steht. Zur selben Geschichte. Was ist wahr? Oder wahrer? Wann wird etwas geschichtlich gesichert? Bis zu dem Punkt, an dem es revidiert wird? Durch neue Erkenntnisse? Durch politische Verhältnisse?

Juden und Polen

Die polnische Regierung hat ein Gesetz durchgepeitscht, das jedem Haft androht, der über polnische Mitverantwortung an Nazi-Verbrechen spricht

Angesichts des tief verwurzelten Antisemitismus der Zwischenkriegszeit gab es nicht nur heldenhaften Widerstand, sondern auch Beteiligung an den von Deutschen begangenen Verbrechen während der Besatzung. So haben polnische Bauern im Juli 1941 in der Kleinstadt Jedwabne, aufgestachelt von Nazi-Propaganda, über tausend jüdische Nachbarn ermordet.

https://www.derstandard.de/story/200007 ... -und-polen


Der israelische Bildungsminister wurde von Polen ausgeladen, weil er der Linie Warschaus nicht folgen kann.

"Das Blut polnischer Juden schreit aus dem Boden, und kein Gesetz wird es zum Schweigen bringen."

http://www.sueddeutsche.de/politik/pole ... -1.3855934




Jetzt kann man natürlich sagen, daß die Bezeichnung "Polnische Todeslager" schon "irreführend" sein kann. Sie wurden nicht von und in Polen (gabs zu dem Zeitpunkt nicht) geführt. Und die Polen selbst wurden massive Opfer der dt. Nazis. Auch die Intelligenz wollte man ausrotten. Der Rest sollte Arbeitssklave werden. Aber es soll auch jede Mitverantwortung unter Strafe gestellt werden. Bis zur Gefängnisstrafe. Woran genau entzündet sich der Ärger? Ist das gerecht den Juden und auch Deutschland gegenüber? Oder ist es sonst ungerecht gegenüber Polen? Was ist der Kern? Mitverantwortung? Polens, oder polnische? Individuell gesehen, strukturell? Einige sprechen von Geschichtsverfälschung?
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon Tom Bombadil » So 11. Feb 2018, 23:28

Es waren de facto keine polnischen Todeslager, sondern deutsche. Ob man dafür ein Gesetz braucht, keine Ahnung, mir ist auch nicht bekannt, dass Auschwitz etc. als polnische Todeslager beschrieben wurden.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon H2O » So 11. Feb 2018, 23:56

Tom Bombadil hat geschrieben:(11 Feb 2018, 23:28)

Es waren de facto keine polnischen Todeslager, sondern deutsche. Ob man dafür ein Gesetz braucht, keine Ahnung, mir ist auch nicht bekannt, dass Auschwitz etc. als polnische Todeslager beschrieben wurden.


"Beschrieben" sicher nicht, aber bezeichnet schon. Vermutlich völlig gedankenlos, weil eben Vernichtungslager auf polnischem Boden gemeint waren. Ich finde es verständlich, daß Polen auf diese Doppeldeutigkeit hinweisen, daß nämlich Polen diese Vernichtungslager weder geplant, noch gebaut noch betrieben hat.

Die israelische Regierung und auch die US-Regierung nehmen Anstoß daran, daß mit dem Gesetz, das die Bezeichnung dieser Vernichtungslager als "polnische Vernichtungslager" unter hohe Strafe stellt, die wissenschaftliche Aufklärung zum Thema "Vernichtungslager" behindert wird. Besonders erbost hat die israelische Seite wohl Satz zwei dieses Gesetzes, in dem Hinweise auf die Beteiligung Polens an den Naziverbrechen ebenfalls unter Strafe gestellt werden sollen. Damit geraten Wissenschaftler in Gefahr, die die Verstrickung von einzelnen oder Gruppen von Polen in diese Naziverbrechen aufklären wollen. Polen als Staat war nun wirklich nicht an den Verbrechen beteiligt.

Der polnischen Regierung genügte nicht der öffentliche Ausspruch der israelischen Botschafterin: "Wir wissen genau, wer diese Vernichtungslager geplant, gebaut und betrieben hat!". Eine dementsprechende Erklärung der deutschen Kanzlerin und des deutschen Außenministers Gabriel konnte die polnische Seite nicht davon abbringen, dieses Gesetz durch das Parlament zu leiten. Jetzt liegt es beim polnischen Verfassungsgericht, nachdem der polnische Präsident Duda das Gesetz unterschrieben hatte.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon Ger9374 » Mo 12. Feb 2018, 00:12

Kein Grund Polen zu kritisieren, kommt aber sehr spät auf den Tisch.
Deutsche Todeslager, so kenne ich sie und natürlich Konzentrationslager.
Vielleicht in anderen Sprachen anders.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon H2O » Mo 12. Feb 2018, 00:33

Ger9374 hat geschrieben:(12 Feb 2018, 00:12)

Kein Grund Polen zu kritisieren, kommt aber sehr spät auf den Tisch.
Deutsche Todeslager, so kenne ich sie und natürlich Konzentrationslager.
Vielleicht in anderen Sprachen anders.


Nein, nein, das ist nicht "sehr spät" auf dem Tisch gelandet. "Polnische Vernichtungslager" gibt es als sprachlich unglückliche Konstruktion erst seit etwa zwei Jahren. Nach öffentlichem Aufschrei in Polen wird der Ausdruck nun mit einem Gesetz bei Strafe verboten.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon odiug » Mo 12. Feb 2018, 00:53

H2O hat geschrieben:(11 Feb 2018, 23:56)

"Beschrieben" sicher nicht, aber bezeichnet schon. Vermutlich völlig gedankenlos, weil eben Vernichtungslager auf polnischem Boden gemeint waren. Ich finde es verständlich, daß Polen auf diese Doppeldeutigkeit hinweisen, daß nämlich Polen diese Vernichtungslager weder geplant, noch gebaut noch betrieben hat.

Die israelische Regierung und auch die US-Regierung nehmen Anstoß daran, daß mit dem Gesetz, das die Bezeichnung dieser Vernichtungslager als "polnische Vernichtungslager" unter hohe Strafe stellt, die wissenschaftliche Aufklärung zum Thema "Vernichtungslager" behindert wird. Besonders erbost hat die israelische Seite wohl Satz zwei dieses Gesetzes, in dem Hinweise auf die Beteiligung Polens an den Naziverbrechen ebenfalls unter Strafe gestellt werden sollen. Damit geraten Wissenschaftler in Gefahr, die die Verstrickung von einzelnen oder Gruppen von Polen in diese Naziverbrechen aufklären wollen. Polen als Staat war nun wirklich nicht an den Verbrechen beteiligt.

Der polnischen Regierung genügte nicht der öffentliche Ausspruch der israelischen Botschafterin: "Wir wissen genau, wer diese Vernichtungslager geplant, gebaut und betrieben hat!". Eine dementsprechende Erklärung der deutschen Kanzlerin und des deutschen Außenministers Gabriel konnte die polnische Seite nicht davon abbringen, dieses Gesetz durch das Parlament zu leiten. Jetzt liegt es beim polnischen Verfassungsgericht, nachdem der polnische Präsident Duda das Gesetz unterschrieben hatte.

Ja ... es ist problematisch, deutsche Konzentrationslager auf polnischen Boden als polnisch zu bezeichnen.
Die deutsche Besetzung im Westen verfolgte andere Ziele als im Osten und wendete auch andere Methoden im Osten an.
Das erklärt auch den Umstand, warum die Lager in Polen und den besetzten Gebieten in der Ukraine errichtet wurden.
Ich denke mal, die Unterschiede sind bekannt und müssen nicht weiter erläutert werden.
Das Gesetz geht aber insofern zu weit, weil es nahezu jegliche Diskussion über die Kollaboration mit der Nazis in Polen während des zweiten Weltkriegs unterbindet.
Es gibt im polnischen sogar ein Wort für Polen, die kollaborierten : Szmalcownik.
Die Gründe in Polen für die Kollaboration mit der Besetzung durch die Deutschen während der Besatzung, sind aber oft andere, als im Westen oder sogar noch weiter im Osten.
Ein Unterschied ist zB, es gab in den polnischen Gebieten unter deutscher Besatzung nie den Versuch, polnische Einheiten aufzubauen oder zu übernehmen, zB in der Verwaltung oder auch militärische Einheiten in die Wehrmacht zu integrieren.
Die Illusion, man befreie die Polen vom Joch des Bolschewismus, erübrigte sich in Polen wohl für Goebbels.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon H2O » Mo 12. Feb 2018, 09:23

odiug hat geschrieben:(12 Feb 2018, 00:53)

Ja ... es ist problematisch, deutsche Konzentrationslager auf polnischen Boden als polnisch zu bezeichnen.
Die deutsche Besetzung im Westen verfolgte andere Ziele als im Osten und wendete auch andere Methoden im Osten an.
Das erklärt auch den Umstand, warum die Lager in Polen und den besetzten Gebieten in der Ukraine errichtet wurden.
Ich denke mal, die Unterschiede sind bekannt und müssen nicht weiter erläutert werden.
Das Gesetz geht aber insofern zu weit, weil es nahezu jegliche Diskussion über die Kollaboration mit der Nazis in Polen während des zweiten Weltkriegs unterbindet.
Es gibt im polnischen sogar ein Wort für Polen, die kollaborierten : Szmalcownik.
Die Gründe in Polen für die Kollaboration mit der Besetzung durch die Deutschen während der Besatzung, sind aber oft andere, als im Westen oder sogar noch weiter im Osten.
Ein Unterschied ist zB, es gab in den polnischen Gebieten unter deutscher Besatzung nie den Versuch, polnische Einheiten aufzubauen oder zu übernehmen, zB in der Verwaltung oder auch militärische Einheiten in die Wehrmacht zu integrieren.
Die Illusion, man befreie die Polen vom Joch des Bolschewismus, erübrigte sich in Polen wohl für Goebbels.


Für mich verrückt ist auch die polnische Feststellung, daß es wirklich Einzelne oder Gruppen in Polen gab, die den deutschen Nazis Juden auslieferten oder gleich Juden tot schlugen. Das sind wohl Tatsachen und daran ist gar nichts verrückt. Aber diese Verrücktheit gelingt anderen Polen wieder mit ja, aber... Und zwar sollen diese Einzelnen oder Gruppen von den deutschen Nazis zu dieser Niedertracht notfalls durch Folter ermuntert worden sein, also unschuldig schuldig geworden sein. Dazu passen dann natürlich nicht die sogenannten szmalcowniki, die sich am Eigentum von Juden bereicherten oder aber gegen Geld Juden in ihren Verstecken verrieten. Ich verzichte hier einmal auf den dringend angebrachten Sarkasmus.

Ja, das neue Gesetz ist selten dämlich; ja, von "polnischen Vernichtungslagern" zu reden, ist eine bösartige Gedankenlosigkeit. Der platte Chauvinismus lugt um die Ecke!
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon odiug » Mo 12. Feb 2018, 09:56

H2O hat geschrieben:(12 Feb 2018, 09:23)

Für mich verrückt ist auch die polnische Feststellung, daß es wirklich Einzelne oder Gruppen in Polen gab, die den deutschen Nazis Juden auslieferten oder gleich Juden tot schlugen. Das sind wohl Tatsachen und daran ist gar nichts verrückt. Aber diese Verrücktheit gelingt anderen Polen wieder mit ja, aber... Und zwar sollen diese Einzelnen oder Gruppen von den deutschen Nazis zu dieser Niedertracht notfalls durch Folter ermuntert worden sein, also unschuldig schuldig geworden sein. Dazu passen dann natürlich nicht die sogenannten szmalcowniki, die sich am Eigentum von Juden bereicherten oder aber gegen Geld Juden in ihren Verstecken verrieten. Ich verzichte hier einmal auf den dringend angebrachten Sarkasmus.

Ja, das neue Gesetz ist selten dämlich; ja, von "polnischen Vernichtungslagern" zu reden, ist eine bösartige Gedankenlosigkeit. Der platte Chauvinismus lugt um die Ecke!

Was mich eigentlich erstaunt ist, dass dies in Polen überhaupt ein Thema ist, es ein Gesetz dazu braucht.
Das heißt ... angesichts dieser Regierung braucht einen das nicht zu wundern.
Die Diskussion über polnische Kollaboration ist aber eine andere, als die über zb die französische.
Das liegt einerseits an dem schon oben erwähnten Unterschieden in dem deutschen Besatzungsregime zwischen Ost und West und andererseits an einem in Polen tief verwurzelten, katholischen Antisemitismus, der sich in Teilen der Bevölkerung von dem NS Rassenwahn missbrauchen ließ.

Das Problem ist vielmehr, gehetzt ist schnell, das aber aufzudröseln und richtig zu stellen, dazu bedarf es dicke Schmöcker.
Ein Gesetz hilft da nicht.
Vor allem deshalb nicht, weil dieses Gesetz historische Fakten aus ihrem Zusammenhang reist.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon H2O » Mo 12. Feb 2018, 10:50

odiug hat geschrieben:(12 Feb 2018, 09:56)

Was mich eigentlich erstaunt ist, dass dies in Polen überhaupt ein Thema ist, es ein Gesetz dazu braucht.
Das heißt ... angesichts dieser Regierung braucht einen das nicht zu wundern.
Die Diskussion über polnische Kollaboration ist aber eine andere, als die über zb die französische.
Das liegt einerseits an dem schon oben erwähnten Unterschieden in dem deutschen Besatzungsregime zwischen Ost und West und andererseits an einem in Polen tief verwurzelten, katholischen Antisemitismus, der sich in Teilen der Bevölkerung von dem NS Rassenwahn missbrauchen ließ.

Das Problem ist vielmehr, gehetzt ist schnell, das aber aufzudröseln und richtig zu stellen, dazu bedarf es dicke Schmöcker.
Ein Gesetz hilft da nicht.
Vor allem deshalb nicht, weil dieses Gesetz historische Fakten aus ihrem Zusammenhang reist.


Wir Deutschen sollten uns aber in diesen Dingen auch wieder an unsere eigenen Nasen fassen. Wir haben uns auch ein Gesetz gegönnt, daß die Leugnung der planmäßigen und industriell organisierten Vernichtung von Juden und anderen sogenannten Untermenschen und lebensunwerten Lebens unter Strafe stellt. Seitdem ist auf diesem Felde Ruhe eingekehrt. Immerhin haben es etliche Scheinriesen geschafft, dazu Theorien zu entwickeln, aus denen spätere Leugner einer US-amerkanischen bemannten Mondlandung sicher viel lernen konnten.

Vielleicht wäre es eine gute Idee, wenn wir Europäer uns endlich zusammen fänden und diese wahre Menschheitskatastrophe gemeinsam auswerteten. Nun, in 25 Jahren kann damit vielleicht ohne gegenseitige Vorhaltungen begonnen werden.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon odiug » Mo 12. Feb 2018, 11:17

H2O hat geschrieben:(12 Feb 2018, 10:50)

Wir Deutschen sollten uns aber in diesen Dingen auch wieder an unsere eigenen Nasen fassen. Wir haben uns auch ein Gesetz gegönnt, daß die Leugnung der planmäßigen und industriell organisierten Vernichtung von Juden und anderen sogenannten Untermenschen und lebensunwerten Lebens unter Strafe stellt. Seitdem ist auf diesem Felde Ruhe eingekehrt. Immerhin haben es etliche Scheinriesen geschafft, dazu Theorien zu entwickeln, aus denen spätere Leugner einer US-amerkanischen bemannten Mondlandung sicher viel lernen konnten.

Vielleicht wäre es eine gute Idee, wenn wir Europäer uns endlich zusammen fänden und diese wahre Menschheitskatastrophe gemeinsam auswerteten. Nun, in 25 Jahren kann damit vielleicht ohne gegenseitige Vorhaltungen begonnen werden.

Ja ho ... die historische Forschung auf der akademischen Ebene zu diesem Thema ist eh schon gesamteuropäisch.
Was auch ein weiteres Problem dieses Gesetzes ist, da es erhebliche Hürden für diese Forschung aufbaut.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 12. Feb 2018, 11:20

odiug hat geschrieben:(12 Feb 2018, 00:53)
Es gibt im polnischen sogar ein Wort für Polen, die kollaborierten : Szmalcownik.

Das ist glaub ich nicht ganz korrekt. "Szmalcownik" werden speziell die Kollaborateure genannt, "die für Geld versteckte Juden ausfindig machten, sie und ihre polnischen Beschützer erpressten und/oder an die Deutschen verrieten.". Der Begriff ist mir aktuell erst so richtig geläufig geworden, weil kürzlich der polnische EU-Pis-Abgeordnete und bis vor wenigen Tagen EU-Parlaments-Vizepräsident Czarnecki in seinem Blog die ebenfalls polnische EU-Parlamensvertreterin Roza Thun als "Szmalcownik" bezeichnete. Was für erheblichen Wirbel gesorgt hat. Letzten Donnerstag wurde er per ABstimmung deswegen dieses Postens enthoben. Ihr habt das ja wahrscheinlich auch mitbekommen. Anlass für diese schlimme Beleidigung war wohl ein Diskussionsbeitrag Thuns bei einer früheren Arte-Sendung, bei ders gerade um anstehende Justizrefornen in Polen ging.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon H2O » Mo 12. Feb 2018, 11:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Feb 2018, 11:20)

Das ist glaub ich nicht ganz korrekt. "Szmalcownik" werden speziell die Kollaborateure genannt, "die für Geld versteckte Juden ausfindig machten, sie und ihre polnischen Beschützer erpressten und/oder an die Deutschen verrieten.". Der Begriff ist mir aktuell erst so richtig geläufig geworden, weil kürzlich der polnische EU-Pis-Abgeordnete und bis vor wenigen Tagen EU-Parlaments-Vizepräsident Czarnecki in seinem Blog die ebenfalls polnische EU-Parlamensvertreterin Roza Thun als "Szmalcownik" bezeichnete. Was für erheblichen Wirbel gesorgt hat. Letzten Donnerstag wurde er per ABstimmung deswegen dieses Postens enthoben. Ihr habt das ja wahrscheinlich auch mitbekommen. Anlass für diese schlimme Beleidigung war wohl ein Diskussionsbeitrag Thuns bei einer früheren Arte-Sendung, bei ders gerade um anstehende Justizrefornen in Polen ging.


Ja, die Angelegenheit mit den szmalcowniki und Herrn Czarnecki muß man wohl folgendermaßen verstehen: Die Regierungspartei PiS sieht sich als die einzig hinnehmbare politische Kraft Polens. Frau Róża Thun von der Bürgerplattform PO hat die Frechheit besessen, die im Parlament Polens beschlossene Abschaffung der Gewaltenteilung in einem ausländischen Medium, dazu auch noch einem, das mit Deutschland eng verbandelt ist, mit klaren Worten und in deutscher Sprache an zu prangern. Für Herrn Czarnecki haben aber alle Polen im Ausland nur die Regierungsmeinung zu vertreten... und so war Frau Thuns Auftritt im deutschen Fernsehen der reinstmögliche Landesverrat, zu dem doch nur noch szmalcowniki fähig sein können.

Dieser Mann ist ziemlich weit davon entfernt, von der Gesinnung her ein Europäer zu sein... für ihn geradezu unvorstellbar, daß ein Pole sich in der EU für europäische Belange einsetzt, wenn die nicht zufällig mit polnischen Beschlußlagen deckungsgleich sind.

Unbeabsichtigt hat er dabei aber mit dem mir bis dahin unbekannten "szmalcownik" ein passendes Stichwort geliefert, das das Gesetzespaket gegen den Ausdruck "polnische Vernichtungslager" besonders abwegig erscheinen läßt. Zoff Polens mit Israel (Botschafter abgezogen) und Zoff Polens mit den USA gleich noch mit im Gepäck! Insgesamt eine diplomatische Spitzenleistung, die nur noch von den Gesetzen zur Abschaffung der Gewaltenteilung in der polnischen Justiz übertroffen wird.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon King Kong 2006 » Do 15. Feb 2018, 07:34

Warschau möchte, daß im Ausland lebende Polen der Regierung Informationen zuspielen, wenn es zu antipolnischen Aussagen kommt.

Polen sollen antipolnische Äußerungen melden

"Informieren Sie uns über jede Verleumdung": Die Regierung in Warschau hat einem Bericht zufolge Polen im Ausland dazu aufgerufen, Behörden von mutmaßlich antipolnischen Äußerungen zu berichten.


"Bitte dokumentieren Sie alle antipolnischen Äußerungen, Darstellungen und Meinungen, die uns schaden, und reagieren Sie darauf. Informieren Sie unsere Botschaften, Konsulate und Honorarkonsulate über jede Verleumdung, die den guten Ruf Polens beeinflusst", heißt es demnach in dem Schreiben von Senatsmarschall Stanislaw Karczewski.

Hintergrund für den Brief ist das umstrittene Holocaust-Gesetz, das Präsident Andrzej Duda in der vergangenen Woche trotz Kritik unterzeichnet hatte. Das Gesetz droht denjenigen eine Strafe von bis zu drei Jahren an, "die öffentlich und wahrheitswidrig dem polnischen Volk oder Staat" eine Mitschuld an Verbrechen zuweisen, die durch das NS-Regime begangen wurden. Das Vorhaben hat eine diplomatische Krise mit Israel ausgelöst und belastet auch das Verhältnis zwischen Polen und der Ukraine. Kritiker befürchten, Polen könne die eigene Verantwortung abstreifen und den Anteil polnischer Bürger am Holocaust an den Juden verleugnen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/p ... 93581.html


Die Forenmitglieder sollten deshalb bitte darauf achten nichts antipolnisches hier zu schreiben, da durchaus Gefängnisstrafe drohen könnte.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon Ammianus » Do 15. Feb 2018, 11:29

King Kong 2006 hat geschrieben:(15 Feb 2018, 07:34)

Warschau möchte, daß im Ausland lebende Polen der Regierung Informationen zuspielen, wenn es zu antipolnischen Aussagen kommt.





Die Forenmitglieder sollten deshalb bitte darauf achten nichts antipolnisches hier zu schreiben, da durchaus Gefängnisstrafe drohen könnte.


Man sollte sich die Parallelen zum Verhalten Erdogans ansehen. Da werden die niedrigsten Gefühle in den Leuten angesprochen. Stichwort: Denunziantentum. Läuft zur Zeit dumm bei unseren Nachbarn.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon H2O » Do 15. Feb 2018, 14:22

King Kong 2006 hat geschrieben:(15 Feb 2018, 07:34)

Warschau möchte, daß im Ausland lebende Polen der Regierung Informationen zuspielen, wenn es zu antipolnischen Aussagen kommt.

Die Forenmitglieder sollten deshalb bitte darauf achten nichts antipolnisches hier zu schreiben, da durchaus Gefängnisstrafe drohen könnte.


Na ja, ich schreibe hier über Polen ja nur Gutes; dann werde ich sicher demnächst in Pommern mit Blumenstrauß und Ehrenspalier empfangen! :D

Aber im Ernst: In Deutschland lebende Polen zum Ausspähen anstiften... das halte ich für keinen guten Einfall. Vernünftige Leute machen so etwas auch nicht. Man stelle sich einmal das Ergebnis von Falschmeldungen dieser Art vor, nur so zum Scherz!
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon Ger9374 » Do 15. Feb 2018, 19:53

Sonst hat Polen keine Probleme, aber ich kenne da jemanden der mochte wohl keine Polen, ich glaube das war 1939. Nur so als Hinweis:-))
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon Kael » Fr 16. Feb 2018, 16:39

Hitler sah auch einen Plan vor sich mit Polen zu Verbünden um gegen die Sovietunion zu ziehen.

Ich sehe diese Werbung als nervig an. Es ist der Versuch wieder 'Schuld' bei uns einzuprägen. Allein die Werbung, wie sie dargestellt wird ist für mich schon sehr provokant
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon Watchful_Eye » Fr 16. Feb 2018, 17:01

Kael hat geschrieben:(16 Feb 2018, 16:39)
Es ist der Versuch wieder 'Schuld' bei uns einzuprägen. Allein die Werbung, wie sie dargestellt wird ist für mich schon sehr provokant

Um "uns" als Deutsche geht es dabei meines Erachtens sowieso nicht. Ich nehme an, dass die polnische Regierung das erreichen will, was Erdogan zum Teil schon bei den hiesigen Türken erreicht hat - dass sie als "trojanisches Pferd" auf seiner Seite stehen und sich noch für nationalistische polnische Interessen einsetzen, selbst wenn sie sich in fremden Staaten befinden.
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon H2O » Fr 16. Feb 2018, 17:57

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Feb 2018, 17:01)

Um "uns" als Deutsche geht es dabei meines Erachtens sowieso nicht. Ich nehme an, dass die polnische Regierung das erreichen will, was Erdogan zum Teil schon bei den hiesigen Türken erreicht hat - dass sie als "trojanisches Pferd" auf seiner Seite stehen und sich noch für nationalistische polnische Interessen einsetzen, selbst wenn sie sich in fremden Staaten befinden.


Der Versuch geht weitestgehend in die Hose. Es kommt ganz darauf an, wie unsere polnischen Mitbürger in unsere Gesellschaft eingebunden sind. Ich kenne nun einige polnische Ehepaare mit Kindern, die seit vielen Jahren in Deutschland leben. Die Kinder sind bestens in der Schule angenommen, sprechen hervorragend Deutsch, na ja, und etwa so gut Polnisch wie ich. ;) Diesen Leuten traue ich keine Rückmeldungen zu, die unser Land in ein schlechtes Licht rücken. Warum auch? Sie sind Teil unserer Gesellschaft, arbeiten, zahlen Steuern und Abgaben, haben deutsche Nachbarn und Freunde.

Kurzum, da hat jemand eine Schnapsidee ausgebrütet, für die er eigentlich schon in Polen lächerlich gemacht werden könnte... so wie ich meine Leutchen in Pommern kenne... :D Mal sehen, was ich vor Ort damit erlebe.
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Ammianus
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Re: Titel für Konzentrationslager - Namensstreit um und in Polen

Beitragvon Ammianus » Sa 17. Feb 2018, 12:23

Das mit der Schnappsidee ist sehr gut gesagt. Eins kommt auch noch dazu. Bei uns hier z.B. in Deutschland ist die Kollaboration von Polen so gut wie das wichtigste Gesprächsthema in allen Klassen und Schichten. Manchmal geht es noch etwas Probleme mit dem Stuhlgang aber sonst hörst du nirgendwo etwas anderes.

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